Was ist Papiermaché?

Papiermaché besteht aus Papier und einem Bindemittel, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt zwei Arten der Herstellung, wobei die erstere davon namensgebend war. Papiermaché bedeutet gekautes papier (franz. "macher" - bedeutet kauen). Das Papier wird zerkleinert und mit Bindemittel und Wasser zu einem Faserbrei einer sogenannten Pulpe verarbeitet. Diese Pulpe stellt dann das Ausgangsmaterial dar. Bei der zweiten Methode entstehen der Werkstoff und das Objekt gleichzeitig. Es werden mehrere Lagen Papier übereinandergeklebt bis eine stabile Papierwand entsteht. Das nennt man kaschieren.

Ursprünglich aus dem orientalischen oder asiatischen Raum stammend, ist Papiermaché/Pappmaché in Europa seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Zunächst wurden hauptsächlich Reliefs und Krippenfiguren gefertigt. Durch die Zugabe hoher Kreideanteile entsteht die so genannte Steinpappe, die seit dem 17. Jahrhundert für die Herstellung von Puppen (Papierdocken) genutzt wurde. Aus Steinpappe wurden aber auch z.B.Dachziegel oder sogar ganze Gebäude gebaut. In Mexiko und Lateinamerika wird es seit langem verwendet, um Piñatas herzustellen. Ein Großteil der Innen- und Außendekoration des Schlosses Ludwigslust und auch der Ludwigsluster Stadtkirche wurde Ende des 18. Jahrhunderts aus Papiermaché gefertigt. Weitere Verwendung fand das Pappmaché auch in der Fertigung der päpstlichen Tiaras.

Pappmaché kann mit Schleifpapier, einem scharfen Messer oder einer Feinsäge bearbeitet werden. Da es elastisch ist, kann es nicht mit Hammer und Meißel aufbereitet werden. Es besitzt eine relativ hohe Zugfestigkeit. Im Labormaßstab stellt man Pappmaché aus kleingerissenem Zeitungspapier her, das in Wasser eingeweicht oder mit heißem Wasser übergossen und gut durchgeknetet wird oder, besser, im Dampftopf 10 Minuten über 100 °C erhitzt wird. Dadurch löst sich das Papier auf und die Fasern werden frei. Mit dem Abseihen bzw. Ausdrücken von überflüssigem Wasser wird auch ein Teil der Druckerschwärze beseitigt. Nach dem Abkühlen wird etwas trockenes Tapetenkleister-Pulver gut eingeknetet und die Masse durch weiteres Kneten geschmeidig und homogen gemacht. Beim Trocknen schrumpft die Masse wegen des hohen Wassergehalts, was sich bei Modellierungen etwas störend bemerkbar macht. Alternativ arbeiten wir auch mit Lehm-Papiermischungen.